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Jinghong, 3.8.2006 Drucken E-Mail

Hallo Leute,

Wir hoffen euch allen geht es gut !
Am Anfang des folgenden Berichtes befanden wir uns noch auf Hoehen von 4500-5200m mit Temperaturen im 0 Grad Bereich. Mit einem Flug und einer Busfahrt haben wir uns in Suedostasisches Tropenklima katapultiert und schwitzen nun bei ueber 30 Grad.

Traumhafte Seen, 8000er, Panchen Lama, Horse race Festival, Potala und Jokhang Tempel, Spring City, dies nur ein paar Highlights der letzten 3 Wochen.....



Am Montag 10. Juli verlassen wir den Highway 219 und fahren richtung Friendship Highway. Suzuki, der Japanische Radler mit dem wir die letzten 3 Tage verbracht haben, bleibt noch ca. 2 Tage in Saga. Er muss zuerst seine roten Augen auskurieren. Er fuhr bei dieser starken Sonne ohne Sonnenbrille !

Wir ueberqueren den Brahmaputra ueber die neue Bruecke, welche im letzten Jahr eroeffnet wurde. Vorher musste man den Fluss via einer Seilzug Faehre ueberqueren. Wie in den letzten 6 Wochen ging es auch hier huegelig weiter. Der 2. Pass war teilweise sehr steil. 3 Tibeter, welche gerade unterwegs waren ihre Yaks von der Weide zu holen, hatten mitleid mit den 2 Touris und halfen uns die schweren Raeder hochzuschieben. Waehrend wir kurz verschnauften, rauchten sie schmunzelnd eine Zigarette...  :o) und ich dachte wir seien fit !!!

Wir rechneten ca. 4 Tage bis Tingri, dem naechsten groesseren Dorf, nahmen aber sicherheitshalber fuer 5 Tage Essensvorraete mit. Diverse kleinere Ortschaften auf unserer Karte waren nicht mehr als ein paar Zelte. Tibeter, welche hier ihre Yaks und Schafe weiden lassen.

So gut die Strasse am Anfang war, wurde sie je laenger je schlechter. Am Mittwoch hatten wir den Strassen-, Windverhaeltnis schlechtesten Tag seit Anfang der Reise. In 6.5h legten wir gerade mal 51km zurueck. Der Wind, nein es war ein Sturm, blies so stark, dass Chrigi zeitweise die Nerven voellig verlor, mehrer Male "scheiss Wind !!!" schrie, vom Radl stieg und lief. Dies spielte auch keine Rolle mehr, denn der Geschwindigkeitsunterschied betrug 2Km/h (3 statt 5 Km/h). Das war der Frusttag... Er konnte nur noch mit einer Nudelsuppe und einem speziell grossen Dessertbuffet (div. Guetzli, Schokolade, Kaffee) gerettet werden.

Landschaftlich war dieser Abschnitt jedoch traumhaft. Mehrere Seen und immer hoehere Berge um uns herum. Am naechten Tag ragte dann auch bald der erste "big one" aus den Wolken hervor; der Mt. Shishapangma, 8013m. Es war ein Genuss. So erlebten wir hochs und tiefs sehr kurz aufeinander....

Nach 170 Km biegen wir in den Friendship Highway 318 ein. Rechts nach Kathmandu, links nach Lhasa. Die Strasse ist um ein vielfaches besser und vor Tingri geniessen wir 1 km (!)
Asphaltstrasse. Wenn wir nach fast 7h radeln nicht so muede gewesen waeren, haetten wir diesen einen Km noch 4-5x abgefahren.....  Cool

Am Abend genossen wir eine super Aussicht auf Mt. Everest (8850m) und Mt. Cho Oyu (8201m, der sechsthoechste Berg der Erde).

Nach laengerem hin und her entschieden wir uns nicht zum Everest B.C. zu fahren. Die Strassen sollen noch schlechter sein als alles was wir bisher hatten (eigentlich fast unmoeglich...). Und so ging es am naechsten Tag weiter richtung Lhartse. Kurz vor Pelbar werden an einem Checkpoint wieder einmal unsere Paesse kontrolliert; das Tibet Permit wollte keiner sehen.
Touris in Toyota Jeeps werden immer haeufiger. Leider hat nicht nur die chinesische Regierung, sondern auch die vielen Touristen ihre negativen Spuren in der Everest Region hinterlassen. Vielen Kinder und Muetter stehen am Strassenrand und betteln nach Geld. Die Kinder oft ohne Kleider und schmutzig als ob sie noch nie Wasser gesehen haetten. Ein sehr ungewohntes Bild.....

Von Pelbar nach Lhartse stand der letzte hohe Pass auf dem Programm, der Gyatso La, 5250m. Unterwegs zur Passhoehe kam uns ein Welsches Paerchen entgegen, die mit den Velo von Bangkok zurueck in die Schweiz radeln. Wir plauderten ein bisschen, tauschten ein paar Infos aus und radelten weiter. Eigentlich wollten wir nach der Passhoehe uebernachten, jedoch machte eine Erkaeltung Tanja etwas zu schaffen und das Wetter schien zu drehen. So entschieden wir uns noch vor dem Pass, auf 5050m zu uebernachten. Wir konnten gerade noch unser Zelt aufstellen, als es kraeftig zu regnen begann. Es regnete fast die ganze Nacht und wir ahnten schon was am naechsten Tag auf uns zu kommt....

Die Strasse wurde tief schlammig ! Wir zogen die Regenmontour an inkl. den warmen,  wasserdichten Socken und fuhren richtung Passhoehe. Oben angekommen waren wir wieder einmal die Hauptattraktion fuer chinesische Touris. Weiss nicht wie oft wir schon fotografiert, gefilmt und interviewt wurden... Frag mich was die alle mit diesen Bildern machen !  :o)

 

Anschliessend gings abwaerts, es galt 1200m zu vernichten. Trotz tiefem Schlamm kamen wir gut vorwaerts, vorbei an mehreren LKW's, welche mit ihren abgelaufenen Reifen nicht mehr weiter kamen und kreuz und quer im Weg standen.

Als wir in Lhartse ankamen suchten wir gleich eine Autowaschanlage und spritzten uns und die Fahrraeder samt Radtaschen ab. Blitz und blank konnten wir nun auf Hotel suche gehen. Da wir die Raeder immer ins Zimmer nehmen, sollte dies nun auch keine laengeren Diskussionen geben....

Von Lhartse nach Shigatse waren es ca. 150km, also 2 Tage radeln auf perfekter, frisch eroeffneter Strasse. Trotz deutlich mehr Verkehr war es ein sehr schoenes Stueck. Wir genossen die geteerte Strasse, welche bis nach Lhasa fuehrt.

Shigatse war fuer uns schon fast ein Schock, sollte aber nur ein Vorgeschmack sein auf das, was noch kommen wird. Eine Stadt in Tibet, jedoch voellig "verchinest". Haufenweise hupende Autos und Motorraeder links und rechts. Wir mussten auf einmal aufpassen wie "Heftlimacher", dass wir nicht ueberrollt werden. Viele kleine Shops und grosse Einkaufszentren bis einem die Ohren wackeln. Und natuerlich unendlich viele Chinesen!
Der wunderschoene Zhashenlunbu Tempel ist der Sitz des Panchen Lama (Lama= ein spiritueller Lehrer im tibetischen Buddhismus). Der Panchen Lama gilt im Tibetischen Buddhismus nach dem Dalai Lama als zweithöchste geistliche Autorität. Da aber der Dalai Lama im Exil ist, hat der Panchen Lama in Tibet theoretisch mehr Macht.
Von einem tibetischen Guide haben wir erfahren, dass der jetzige 11. Panchen Lama nicht mehr im Palast von Shigatse lebt. Die chinesische Regierung soll den 16-jaehrigen Jungen in Peking festhalten und dort erziehen. Dies aus angst, dass aus ihm ein Dalai Lama gezuechtet wird. Er ist der juengste politische Gefangene der Welt. Leider hoeren wir solche stories immer wieder.
Der Tempel ist trotzdem sehr sehenswert und wenn man nicht wuesste wo unser Eintrittsgeld hingeht, wuerde man dies auch viel lieber bezahlen. Aber so ist das nun mal...

Am naechsten Tag machten wir einen Ausflug nach Gyantse, 80km von Shigatse entfernt. Einmal im Jahr findet hier das Horse Race Festival statt. Ein riesen Anlass! Tibeter kommen aus allen Himmelsrichtungen, oft in schoener, traditioneller Kleidung. Sie sind ausgeruestet mit kanisterweise Buttertee, Tsampa, etc. An Staenden verkaufen sie Popcorn, kuehle Getraenke, Erdnuesse, heisse Kartoffeln und vieles mehr. Es war ein riesen Spektakel. Die Tibeter kamen wegen dem Pferderennen und wir wegen ihnen. Wir haetten stundenlang zuschauen koennen wie mitgefiebert, angefeuert, gelacht, geplaudert und gegessen wurde. Alle waren froehlich und sehr amuesiert.

Zurueck in Shigatse galt es die Taschen zu packen, denn am naechsten Tag ging es los richtung Lhasa. Wir waehlten die geteerte Strasse entlang des Brahmaputra Flusses, durch wunderschoene Schluchten, vorbei an kleinen Doerfern und Kloester. Je tiefer wir kamen desto gruener wurde die Landschaft und je mehr wir uns Lhasa naeherten desto dichter wurde der Verkehr.

Die Einfahrt in Lhasa war ein grossartiger Moment! Wir fuehlten uns wie auf der Champ Elysee waehrend der Einfahrt der Tour de France! Was hatten wir doch auf den vergangenen, fast 4'000km schon alles erlebt... ein unbeschreibliches Gefuehl!

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Kurze Statistik der Strecke von Kashgar nach Lhasa

Auf den ca. 2'500 Km haben wir :

l         20'000 Höhenmeter bewältigt
l          1 Pass > 3'000m
           13 Pässe > 4'000m (die meisten davon zwischen 4'700-4'950m)         
             7 Pässe > 5'000m überquerten
l        Wir befanden uns 45 Tage über 4'000m       
           davon 35 Tage zwischen 4'500-5'400m
l       Wir verloren ein paar Kilos gewicht, bauten dafür viele rote Blutkörperchen auf..... :-)

An dieser Stelle moechte ich nochmals sagen wie unheimlich stolz ich auf Tanja bin.
Es war nicht immer einfach. Wir beide hatten viele Hochs, aber auch ein paar Tiefs, denn zu den schlechten Strassen kam oft noch der tagelange,stuermische Gegenwind hinzu.
Nur ganz wenige Leute wissen, welch unglaubliche Leistung du vollbracht hast, naemlich diejenigen, die diese anspruchsvolle Strecke mit dem Fahrrad selber gefahren sind.


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Wir fuhren direkt zum Potala Palast um ein "japanese-style" Foto von uns zu machen. Auf dem Platz vor dem Palast drueckten wir einem Chinesen die Kamera in die Hand, welcher, man staunt, ein brauchbares Bild von uns schoss. Als wir dann wieder gehen wollten kam einer nach dem anderen und wollte auch ein Foto von uns bzw. mit uns machen.
Wir haetten den ganzen Nachmittag in Pose stehen bleiben koennen und im Minutentakt waeren chinesische Touristen vorbeigekommen um uns zu fotografieren. Zum Glueck kam ein Security, welcher uns wegschickte. Fahrraeder seien auf dem Platz nicht erlaubt.... meinte er.  |

Der Palast ist unglaublich gross und eindruecklich. Man kann seine Augen fast nicht von ihm abwenden. Wir haetten Stundenlang davor sitzen koennen und den Palast bewundern. Traeumen davon, wie es frueher hier ausgesehen hat, wie der kleine Dalai Lama hier gross wurde, wie er damals Heinrich Harrer getroffen hat und von ihm unterrichtet wurde, wie der Dalai Lama 1959 vor den Chinesen fluechten musste etc.... Schoene, aber auch sehr traurige Gedanken! Und jetzt ist der Potala Palast nur noch eine "money making machine" der chinesischen Regierung. Taeglich stuermen hunderte von Touristen den Palast, jeden Tag ist die beschraenkte Anzahl Tickets ausverkauft und werden auf dem Schwarzmarkt fuer das 2-3 Fache gehandelt. Wir dachten wir seien im falschen Film, respektive an einem U2 Konzert...

 Lhasa hat mittlerweile ueber 200'000 Einwohner und ist, wie solls auch anders sein, in eine chinesische Grossstadt mutiert worden. Trotz allem, den aendern koennen wirs nicht mehr , ist Lhasa sehr sehenswert und hat unzahlige schoene Tempel und Palaeste zum anschauen. Wir koennten alleine ueber Lhasa einen Bericht schreiben, aber wir muessen zu Hause ja auch noch ein paar Stories auf Lager haben. :-)
Mit der China Post schickten wir die warmen Schlafsaecke und Kleider nach Hause. Bei der China Southern Airline buchten wir einen Flug nach Kunming, Provinz Yunnan.
Ihr ahnt es schon... auch dieser Flug mit unseren Fahrraedern (das Handgepaeck war schwerer als das Aufgegebene...) wuerde einen Newsletter fuellen. Auch diese Geschichte muessen wir auf spaeter verschieben. Wir kamen auf jeden Fall mit 2 Fahrraedern und einem Lachend in Kunming, the city of spring genannt, an. Die 4 Mio Stadt liegt auf 1'900m und soll das ganze Jahr ueber fruehlinghaftes Wetter haben. Mit essen, shopping, Kino (MI3 auf englisch!!!), Parks, Tempel, Laos Botschaft und Weiterreise planen verbrachten wir 3 gefuellte, aber angenehme Tage. Nach ein paar Blicken in unsere Landkarte entschieden wir uns noch einen Bus in den sueden Yunnans zu nehmen. Die Fahrt in einem Luxus Volvo Car war, nachdem wir ein paar Probleme betreffend den Fahrraedern (wie kanns auch anders sein...) geklaert hatten, sehr konfortabel und ruhig. Im Bus wurde weder geraucht, noch auf den Boden gespuckt; was fuer die Chinesen schon eine riesen Leistung ist!

Hier in Jinghong fuehlen wir uns schon eher in Laos oder Thailand als in China. Es sind auch nur noch ein paar hundert km bis zur Laos Grenze. Es ist tagsueber drueckend heiss und da es Regenzeit ist sehr feucht dazu.
Nach fast 2 Wochen mehr oder weniger Radlpause freuen wir uns, morgen endlich wieder durch die Gegend cruisen zu koennen. Wir vermissen nicht nur die Bewegung, sondern auch die taeglichen Begegnungen mit den Leuten in den kleinen Doerfern, den Strassenarbeitern, den Bauern auf den Feldern, den spielenden und winkenden Kindern und die abwechslungsreiche Landschaft, die wir bisher geniessen durften. Einmal mit dem Fahrrad gereist, koennen wir uns gar nichts anderes mehr vorstellen....

Liebe Gruesse aus dem heissen suedwest China!
Chrigi und Tanja

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