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Ali Teil 2, 22.06.2006 Drucken E-Mail

Tashi delek aus Ali

In den letzten 20 Radltagen haben wir so viel erlebt, wir wissen gar nicht wo anzufangen.....
Am Besten schoen der Reihe nach, also nochmals 1060 Km zurueck nach Yecheng.


Nach erfolglosen Versuchen ins Internet zu gelangen und Geld zu wechseln, starteten wir erst gegen Mittag mit Radeln. Nach 6km biegen wir in Abu auf den Tibet Highway 219, Km Marker 0. Diese Marker werden uns jetzt eine ganze Weile begleiten. Auf guter Strasse legen wir 65Km zurueck und finden gerade rechtzeitig, vor einem starken Gewitter, in einem verlassenen Ziegenstall unterschlupf.
In den naechsten Tagen folgen bereits die ersten Paesse: Kudi Pass (3300m) und auf dem Chiragsaldi Pass zeigt das GPS zum erstem Mal die Hoehe von 5000m an.
Um das Risiko der Hoehenkrankheit moeglichst klein zu halten, befolgen wir die Faustregel von max. 500m Aufstieg/Tag. Massgebend ist jeweils die Hoehe auf der man die Nacht verbringt.
Auf der Passhoehe ziehen wir unsere waermsten Kleider an, es herrscht ein heftiger Schneesturm bei kuehlen 0 Grad. Nach 500 vernichteten Hm, in einem anderen Tal, drehte das Wetter wie aus dem nichts und wir hatten auf einmal strahlender Sonnenschein. Wir konnten die fahrt nach Mazar so richtig geniessen und die Kleider trockneten im nu. Mazar, ein Kaff wie fast alle kleinen Ortschaften zwischen Yecheng und Ali. Nicht mehr als ein paar verlotterte Holzbaraggen, die meistens eine Kombination aus Restaurant, Unterkunft und LKW Werkstatt sind. Strom, wenn ueberhaupt, kommt von Dieselgeneratoren fuer jeweils ein paar Stunden am Abend. Toiletten gibt es keine mehr. Es wird einfach ueberall ein bisschen hingemacht. So muss man auf dem Weg zum "stillen" Oertchen aufpassen, dass man nicht gleich ein Schuh voll rauszieht....

Am naechsten Tag erwartet uns zum ersten Mal auf dem Highway 219 so richtig schlechte Strasse. Nach 48km zog wieder ein Gewitter auf. Beim Km Marker 289 sahen wir auf der rechten Seite ein Strassenunterhalts Camp. Wir entschliessen uns da mal anzuklopfen und ev. kurz unterzustehen. Ein sympathischer Uighure kommt uns bereits entgegen und meint wir sollen doch gleich hier Uebernachten. Es war schon spaet, also nahmen wir die Einladung an.
Kutaberdenur ist das ganze Jahr ueber hier stationiert und im Gegensatz zu anderen Stassenunterhalts Camps ganz alleine. So war er natuerlich erfreut ueber den aussergewoehnlichen Besuch und bestand auch gleich darauf fuer uns 3 zu kochen. Unser Gastgeber war ein ausgezeichneter Koch und so zauberte er ein super Reisgericht auf den Teller. Wir waren erstaunt wie gut er ausgeruestet war. Um 19 Uhr stellte er den Dieselgenerator an, so hatten wir ein paar Stunden Licht und Satelitten TV. Ein einziger Raum, sein Wohn-, Ess- und Schlafraum wird mit Kohle beheizt.
Nach einer feinen Nudelsuppe gings dann am naechsten Morgen wieder weiter. Knapp 900Hm zum 4954m hohen Kirgizjangal Duban Pass standen an. Diesen bei wechselhaften Wetter bewaeltigt, gings weiter richtung Xaidulla.

Mit Xaidulla erwartete uns eine etwas groessere Ortschaft. Viel gab es zwar nicht zu machen hier, aber wir konnten unsere leeren Taschen wieder mit Noodels, Cookies und Nuessen auffuellen. In Xaidulla war ein grosser Militaerstuetzpunkt. Vorbei an div. Militaeruebungsgelaenden fuhren wir richtung Kosbel Pass. Nach 60 Km ueberlegten wir, vor oder nach dem Pass zu schlafen. Wir fuehlten uns noch fit und die Passhoehe schien nicht mehr weit. Aber dies taeuschte, der Weg zog sich in die laenge und wie schon oft gegen Abend schien das Wetter erneut zu drehen.
Wir wussten das bei Marker 437 wieder ein Strassenunterhalts Camp ist. Warum also nicht noch einmal unser Glueck versuchen? Nur noch 5Km, wir sahen das Haus bereits von weitem, aber bei diesem Sturm kamen wir nicht mehr vorwaerts und die offensichtlich kurze Strecke schien unendlich lange. Endlich angekommen, hoerten wir mehrere Stimmen und ein gelaechter aus einem Raum kommend. Es ware also bewohnt und diesmal von mehr als einer Person. Tanja klopfte an die Tuer und betrat den Raum. Wir sahen gleich das es wieder Uighuren waren und begruessten sie gleich mit "Asalamaleikum". Als ob sie die ganze Woche auf uns gewartet haetten hiessen sie uns willkommen, baten uns aufs Bett zu sitzen und drueckten uns heissen Tee in die Finger. Noch immer keuchend und mit dem Helm auf dem Kopf konnten wir noch nicht einmal fragen ob wir hier schlafen koennen, als schon einer mit den Haenden zeigte das wir die Nacht hier verbringen sollen. Es wurde ein lustiger Abend, mit Haenden und Fuessen versuchten wir uns zu verstaendigen. Sie waren zu Zehnt und ein gut eingespieltes Team. Ob Kochen, Putzen, Heizen, jeder schien eine Aufgabe zu haben. Um 21:30, kurz nach der "Tagesschau", war Generator aus, Licht und TV aus und alle gingen ins Bett. Wir schliefen in unseren Schlafsaecken, bequem auf zwei Sofas. Nach einem Gruppenfoto gings dann am Morgen wieder weiter.

In den naechsten Tagen durchquerten wir das 200 Km lange Aksai Chin Plateau, immer im Bereich von 5000m. Ein wunderschoenes Plateau mit schoenen Seen und farbenreichen Bergen. Wir hatten das Glueck und konnten diverse male Antilopen Herden aus naechster Naehe beobachten. Zwischen Tielong und Sumxie, nach ca. 7 Wochen und 2200 geradelten Km, durchqueren wir ein Tor, das Tor zu TIBET. Ein sehr emotioneller Moment.... Im Horizont waren jetzt auch vermehrt verschneite 6000er zu sehen, ein genialer Anblick.
10Km nach Sumxi hatten wir den hoechsten Pass auf dem Highway 219 zu passieren, den Quishan La, 5400m. Langsam aber stetig keuchten wir den Pass hinauf, vorbei an zahlreichen Yakherden. Ich, etwas langsamer als Tanja, schleppte noch den mit knapp 10l gefuellten Wassersack mit. Das Gefuehl, selber per Radl ueber so ein Pass zu fahren, ist schwierig in Worten zu fassen. Ein wahnsinns Erlebnis! Wir geniessen den Moment, schiessen das obligate Gipfelfoto und holpern wieder die Passstrasse runter.

Wir kamen trotz schlechten Strassen und oft starkem Gegenwind gut voran. Bei Km Marker 895 stiessen wir auf den wunderschoenen Pang Gong See. Ein 113Km langer See, das eine Ende in Tibet, das Andere in Ladakh Indien, patrulliert von der hoechsten Navy der Welt. Dieser See muss voll mit Fischen sein! Die Tibeter scheuen das Wasser von Natur aus und so sieht man hier kein einziges Fischerboot....
Wir wollen gerade unser Zelt direkt am See aufstellen, als ein Chinese per Radl zu uns stoesst. Er durchquert Tibet in die andere Richtung wie wir und mit einer Ausruestung, das glaubt man kaum. (siehe Foto) Auf dem Gepaecktraeger einen grossen Reissack, weiss der Kuckuck was da alles drin steckt, am Lenker (!!) unzaehlige kleine Handtaschen. Ich koennte so unmoeglich fahren....
Sein Zelt, wir mussten es zuerst zusammen naehen, hatte er erst einmal aufgestellt und war bereits kapput. (Made in China...) Zu essen hatte er 2 Saecke voll mit Broetchen, welche bestimmt schon ganz hart waren. Aber er war sehr zufrieden und hatte freude, 2 Gleichgesinnte gefunden zu haben. Zweien Tibeter, welche uns von ihrem nahe gelegenen Zelt aus besuchten, verschenkten wir auf Nachfrage bereits die ersten Dalai Lama Bilder, welche wir seit anfang Reise in unseren Taschen mitfuehren. Sie waren uebergluecklich und bedankten sich mehrmals. 

Die fahrt am See entlang war einmalig. Atemberaubende Landschaft, viele Voegel und mit 40Km und 250Hm eine richtige Sonntagsfahrt... :-) In Rutok angekommen waren wir erstaunt wie gross der Ort war. Mitten in den Pampas eine typisch chinesische Stadt mit geteerten Strassen, gefuellten Laeden und vielen Restaurants.

Nach Rutok folgten sehr schlechte Strassen mit allem was das Radlerherz begehrt: Wellblech, Kies, grober Schotter und tiefer Sand zwangen uns die Raeder viel zu schieben. Auf das waren wir jedoch vorbereitet. Aber der Sturmartige Wind waehrend den ganzen 2 Tagen liess uns fast verzweifeln. Wir brauchten fuer die 128km ganze 13.5h (reine Fahrzeit) !! Man rechne.... also nichts fuer angefressene Rennvelofahrer, bei denen alles unter einem 30er Schnitt "a very bad day" ist. Am 1. Tag mussten wir nach 53km erschoepft und voellig fertig aufgeben. Wir schlugen unser Zelt an traumhafter Lage gleich neben einem Strassenunterhalts Camp auf. Das Zelt kaum fertig aufgestellt, wurden wir gleich zum Nachtessen eingeladen. Sie staunten nicht schlecht, wie hungrig die 2 Radler waren..... :o) Es wurde ein lustiger Abend und schnell waren die strapazen vom vergangenen Tag vergessen.
Die Strassen wurden am naechsten Tag noch schlechter und ein Pass (Satsum la 4850m) stand noch an. Wir waren auf der kippe einen 3. Tag einzulegen. Aber da lockte doch die warme Dusche in Ali....
Um 19:00 kamen wir dann Nudelfertig in Ali an. Noch im stinkigen Radlertenue stuermten wir das erst beste Restaurant und schlugen uns die Baeuche voll. Hier in Ali werden wir jetzt viel essen und geniessen noch ein paar warme Duschen, Internet, Fussball WM (yes!) und shopen (keine Kleider oder so... sondern food fuer die naechsten Wochen)

Nach ca. 3 Wochen immer im Bereich von 4000-5000m und diversen hohen Paessen fuehlen wir uns jetzt langsam fit und haben rote Blutkoerperchen wie ein schweizer Gemsi oder wie Lance Armstrong in gedopten Zustand.....

Ali ist eigentlich nichts besonderes, aber wir hatten so einiges zu erledigen. Wir waren ja immer noch "illegal" in Tibet, da wir das ATP > Alien travel permit, welches man eigentlich nur als gefuehrte Reisegruppe erhaelt, noch nicht hatten. So gingen wir, wie viele andere Radler vor uns, zur PSB (Public security bureau, Polizei) und bezahlten schoen brav die Busse von 300 Yuan (CHF 60) und 50 Yuan fuer das Permit. Es war eine riesen Buerokratie, 3 Beamte waren 15min mit Schreibarbeit beschaeftigt und anschliessend wurden uns auf englisch Gesetztestexte vorgelesen. (Das wir gegen das chinesische Gesetzt verstossen haben etc.) Sie waren alle sehr nett, hatten aber strikte ihre Arbeit zu erledigen. 

Mit einem tollen Permit im Sack und wieder gefuellten Sagoschen (1Kg Schoggi, 1Kg Noodles, Nuessen, Trockenfruechten, Guezli etc. ) gehts es morgen wieder weiter. Wir freuen uns auf die bevorstehende Strecke. Bereits in 250Km werden unsere Velos wieder eine kurze Pause kriegen. Waehrend die meisten von euch vor den Grossleinwaenden kleben, werden wir wie die Tibeter um den heiligen Berg Kailash pilgern und so auch die wunderschoene Nordseite des Berges sehen. 

Also, machts gut und bis bald....
Tanja + Christoph

 

 

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