Hi folks
Knapp 2 Wochen sind seit dem letzten Bericht vergangen und wir haben wieder so Einiges erlebt! Tagelanger Gegenwind, kilometerlange Schotter- und Wellblechpisten, viele ungeplante Hoehenmeter sowie eine unschoene Begegnung mit 3 betrunkenen Kirgisen haben uns das Radeln nicht gerade vereinfacht. Dafuer wurden wir mit einer schoenen, abwechslungsreichen Landschaft und unzaehligen, lustigen Begegnungen mit Einheimischen belohnt.
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Nach unserem freien Tag in Kochkor, sattelten wir am naechsten Morgen wieder unsere beiden Drahtesel und machten uns auf den Weg zu unserem ersten Pass. Die Strasse war, zu unserem erstaunen, noch ca. 40km geteert bis sie dann zu einer trockenen Kiesstrasse wechselte. Nach einem laengeren Kampf mit dem Gegenwind, beschlossen wir, vor dem Pass an einem ruhigen Platz unser Zelt aufzuschlagen und die Sonne noch ein wenig zu geniessen. Nachts waren wir sehr froh um unsere warmen Daunenschlafsaecke, da die Temperatur auf ca. 8 Grad sank.
Am naechsten morgen war es dann nur noch ein Katzensprung bis zur Passhoehe auf 2664m, wo wir wie immer zahlreich empfangen wurden. Mit 30 km/h sausten wir dann zwischen den Schlagloechern hinunter, vorbei an vielen Schaf-, Pferd-, und Kuhherden.
Nach einem reichhaltigen Mittagessen gings weiter durch mehrere kleine Doerfer wo kaum ein Auto an uns vorbeifuhr. Eines jedoch fuhr langsamer und drei Kirgisen riefen etwas aus ihrem weissen Lada. Wir dachten dies sei wie immer die selbe Frage: “Atkuda vy?” (Woher kommt ihr?). Da wir gerade so schoen im Schuss waren fuhren wir weiter und ignorierten die Drei. Der weisse Lada ueberholte uns wieder und hielt auf der rechten Strassenseite. Ich (Chrigi) bremste und Tanja fuhr weiter und stopte erst ca. 50 Meter nach dem Auto an. Als die 3 Typen aus dem Auto stiegen und auf mich zu torkelten wurde mir klar das es gleich aerger gibt… Das Ganze ging sehr schnell und es war zu spaet um noch davonzufahren. Sie standen bereits bei mir und einer hielt dann auch sofort meinen Lenker fest. Sie waren voll mit Vodka und das schon um 15.00 Uhr!
Wir wussten sehr gut ueber die schlechte Trinkgewohnheit einiger Kirgisen bescheid, da wir in Reisefuehrern und von anderen Reisenden gewarnt wurden. Der Vodka ist hier in Kirgisien, vor allem bei der unteren Schicht und den Leuten auf dem Land, ein riesen Problem. Aus diesem Grund gingen wir abends auch nie aus dem Haus oder stellten unser Zelt immer an einem sicheren Platz, abseits der Strasse, auf. Wir haetten nicht gedacht, dass es solche gibt die schon um diese Zeit so betrunken sind.
Item; jetzt musste ich einfach Ruhe bewahren, denn in diesem Zustand werden sie schnell unangenehm und agressiv. Die 3 erklaerten mir, dass wir rechts (voll mit Schlagloecher) fahren sollen und nicht in der Mitte der Strasse. Ich packte meinen ganzen kirgisisch/russisch Wortschatz aus, entschuldigte mich und versicherte ihnen in Zukunft nur noch rechts zu fahren.
Mir war klar, dass dies nicht reichen wuerde, worauf der Erste schon nach “Rubel, Dollars, Som” fragte. Der zweite taetschelte mit der Hand auf seinen Hals und sagte: “Vodka, Vodka!”. Ich erklaerte ihm das wir Studenten seien und kein Geld haben. “Was ich denn in der Fahrradtasche habe”, und deutete auf die mit Kleidern gefuellte Tasche hinten links. Ich antwortete: “Food for eat” und zeigte auf meinen Bauch. Dann wollte er das Essen haben und ich musste ihm klar machen das wir dies fuer unsere Weiterfahrt unbedingt brauchen. Langsam wurden sie agressiv und ungeduldig. Einer der Typen wollte mein Rad am Lenker haltend an den Strassenrand zerren. Ich fiel beinahe um und sagte in einem lauten aber anstaendigen Ton, dass ich selber zur Seite fahren koenne. Gleichzeitig wusste ich, jetzt muss ich einraenken sonst kommt es nicht gut! Tanja wollte bereits mit dem Pfefferspray zur Hilfe kommen, sagte ihr aber das sie noch einen Moment warten soll. Ich konnte zwar kaum ruhig Stehen, so zitterten mir die Knie.... Ich bot Ihnen 10 Som (ca. 30 Rappen) an… das sei das letzte das wir noch haben. Die 3 fragten nochmals nach: “10 Som?” “10 Som?” Waehrend der Eine die Zahl 10 auf meine Lenkertasche schrieb, sagte ich: “da, 10 Som” (ja, 10 Som), aber er solle jetzt doch mein Lenker loslassen. “Erst wenn er die 10 Som habe”. Die haette ich natuerlich gehabt, aber in der Lenkertasche, wo auch meine Kamera verstaut ist. Deswegen rief ich Tanja zu, sie solle 10 Som bereit machen, einer komme gleich vorbei sie zu holen. Tanja, in einer Hand den Pfefferspray, in der Anderen, weit ausgestreckt wie bei einer Loewenfuetterung die 10 Som. Er holte das Geld bei Ihr und torkelte dann wieder zu mir zurueck. Endlich liess der Andere meinen Lenker los, umarmte mich und sagte “Danke!”. Unglaublich, dass sie sich mit 10 Som zufrieden gaben… Tanja konnte nach 2 Fehlversuchen endlich ein Auto anhalten und ihnen erklaeren was abging. Die Leute im Auto waren sehr nett und warteten mit uns bis sich die 3 wieder aus dem Staub machten. Wir waren nach diesem Zwischenfall noch laengere Zeit sehr aufgewuehlt aber gleichzeitig sehr froh das es so glimpflich verlaufen ist.
Der naechste Tag war einer unserer haertesten Etappen bis jetzt. Der Weg von Chaek nach Suusamyr war nur die ersten 15km geteert, danach folgte eine Schotter-, Wellblechpiste wo es immer wieder rauf und runter ging. Die einspurige Kiesstrasse fuehrte durch ein enges Tal hindurch wo rechts und links von den Felswaenden manchmal riesige Steine auf der Strasse lagen. Wir kampften uns mit Gegenwind (wie koennte es auch anders sein…) durch das eher oede Tal, ueber die muehsame Piste richtung Suusamyr wo wir dann fix und foxi und mit einem Baerenhunger unser Zelt aufschlugen und feine Pastas kochten.
Auch der nachste Tag begann mit Gegenwind und endete mit Gegenwind. Muehsam kaempfte sich Chrigi km um km voran und ich versuchte stets im Windschatten zu bleiben. Irgendwann musste doch mal das Kaff in dem wir uebernachten wollten kommen, aber es kam und kam nicht. Immer wieder ein Anstieg und wieder eine Kurve und noch ein Huegel und noch eine Kurve… Wir haetten es wissen sollen, denn es ging uns schon einige Male so. Um 18.00 Uhr kamen wir dann endlich im angestrebten Ort Oetmoek an! An der Strasse hatte es gerade mal 3 “Baraggen” die Oel und Getraenke verkauften. Wir fragten nach einer Uebernachtungs- und Essmoeglichkeit. Ein juengerer Mann bot uns an bei sich im “Wohnwagen” (eher eine Baubaragge auf vier Raedern) zu uebernachten. Er heizte mit Kohle und im Wagen herrschte eine dicke Luft mit einer Temperatur von ca. 35 Grad. Wir kochten auf seinem Ofen den survival “Kaiserschmarrn” welchen wir von Lea und Hjalmar erhalten haben. Es war wirklich die survival Mahlzeit, zu essen gabs da oben nichts und es war das Einzige was wir noch hatten !
Wir standen frueh auf, so dass wir moeglichst vor dem Verkehr ueber unseren bevorstehenden Pass sind. Vor der Passhoehe setzte dann kalter Schneeregen ein und die Temperatur sank auf 6 Grad. Oben auf 3175m angekommen ruestenten wir uns mit Windjacke, Regenhose und warmen Socken fuer die bevorstehende Abfahrt. Auf dem Weg nach unten sahen wir ein schoenes Hotel in dem wir was assen. Waehrend es draussen kraeftig zu regnen begann beschlossen wir gleich ein Zimmer zu nehmen und erst am naechsten Tag weiterzuradel.
Vorbei am wunderschoenen Toktogul Stausee, durch eindrueckliche Taeler und entlang des Kuerp-Say-Reservoir genossen wir die weiterfahrt. Dies sollte sich aber noch aendern..... Die Kiesstrasse nach Jalal-Abad ist eine reine Baustelle. Riesen Loecher und Steine, holprig und staubig, mit dem Fahrrad schlicht > UNFAHRBAR. Zum Teil 1 spurig und da der Verkehr stark zunahm auch sehr gefaehrlich. Durchgeschuettelt und k.o. entschlossen wir uns am naechsten Tag die ca.200km nach Osh per Bus/Taxi zu bewaeltigen.
Hier in Osh genossen wir den riesen Basar, gutes Essen, eine warme Dusche, das Sitzklo, Internet und news aus der Heimat.
Dies war der letzte Bericht aus Kirgistan. Nun gehts es weiter richtung Tajikische Grenze wo die naechsten 3000er Paesse auf uns warten. :o)
Danke fuer alle Emails und Eintraege im Gastebuch. Sind immer dankbar um irgendwelche Geschichten und Neuigkeiten.
Good bye....
Tanja & Chris
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